Das Grauen unter der Braunauer Brücke – Der Fall Michaela Eisch
an der Braunauer Eisenbahnbrücke, München, Bayern · Deutschland · 1985
Fallbeschreibung
Michaela Eisch, geboren am 9. Juli 1976, war acht Jahre alt, als sie am 17. Mai 1985 in München verschwand. Sie lebte mit ihrer Mutter in der Maikäfersiedlung im Stadtbezirk Berg am Laim. An jenem Freitag wollte sie ihre Mutter von deren Arbeitsplatz in der Innenstadt abholen — es war ihre erste Fahrt allein mit der U-Bahn. Zum verabredeten Treffen kam sie nie an. Ihre Leiche wurde am 14. Juni 1985 im verwilderten Gelände am Bahndamm der Braunauer Eisenbahnbrücke gefunden.
Nach Zeugenangaben wurde Michaela bis in den späten Nachmittag mehrfach im Viertel gesehen, zuletzt gegen 17 Uhr nahe der Brücke. Zeugen beobachteten sie an einem Kiosk in Begleitung eines unbekannten Mannes; der Umgang miteinander wirkte vertraut. Danach sollen beide über einen Zaun in das bewachsene Gelände unterhalb der Brücke geklettert sein. Fast einen Monat später meldete ein Arbeiter Verwesungsgeruch. Die Rechtsmedizin stellte fest, dass das Kind missbraucht und erdrosselt worden war.
Die Münchner Polizei führte eine der größten Suchaktionen ihrer Geschichte durch und setzte eine Belohnung von 10.000 D-Mark aus. Die Ermittlungen konzentrierten sich zunächst auf das persönliche Umfeld, weil die Beamten davon ausgingen, dass Michaela den Täter kannte. Vom 8. bis 10. Juli 2011 folgte die bis dahin größte DNA-Reihenuntersuchung der Münchner Polizeigeschichte: Rund 1.750 Männer aus dem Viertel wurden zur freiwilligen Speichelprobe aufgefordert, etwa 1.000 weggezogene Männer wurden über andere Dienststellen überprüft. Der Täter war nicht darunter. Von den Aufgeforderten gaben 1.173 tatsächlich eine Probe ab.
Der Fall ist bis heute ungeklärt. 2015 erklärte ein Polizeisprecher, es gebe keine neuen Ermittlungsansätze. Da die Tat als Mord eingeordnet wird, verjährt sie nach deutschem Recht nicht — Ermittlungen sind jederzeit möglich, sobald neue Spuren auftauchen.
Michaela Eisch gilt nach Darstellung der Münchner Presse als der einzige ungeklärte Kindermord der Stadt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs; eine amtliche Statistik dazu gibt es allerdings nicht. Unterhalb der Braunauer Eisenbahnbrücke erinnert ein Mahnmal an sie. Ihre Mutter starb sieben Jahre nach der Tat.