Der Raincoat Killer – Der Fall Yoo Young-chul
Sinsa-dong, Gangnam-gu, Seoul · Südkorea · 2003
Fallbeschreibung
Am 24. September 2003 werden der 72-jährige emeritierte Professor Lee Deok-su und seine 67-jährige Frau Lee Eun-ok in ihrem Haus im Seouler Stadtteil Sinsa-dong im Bezirk Gangnam erschlagen. Es ist der erste Mord einer Serie, die Südkorea zehn Monate lang erschüttert. Der Täter ist Yoo Young-chul, der knapp zwei Wochen zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden war.
Yoo, geboren am 18. April 1970 im Landkreis Gochang, hatte bis dahin rund 14 Vorstrafen, unter anderem wegen Diebstahls und Vergewaltigung. Für seine Taten fertigte er sich einen etwa vier Kilogramm schweren Hammer an. Zunächst überfiel er Bewohner wohlhabender Häuser in Gangnam und Jongno, meist ältere Menschen – binnen weniger Monate starben neun Menschen. Ab März 2004 wechselte er seine Opfer: Er lockte Masseurinnen und Escort-Frauen, oft indem er sich als Polizist ausgab, in seine Wohnung im Bezirk Mapo, tötete sie und vergrub die zerstückelten Leichen unter anderem am Berg hinter dem Bongwon-Tempel.
Gefasst wurde er am 15. Juli 2004, weil der Betreiber eines Massagedienstes, dessen Mitarbeiterinnen verschwunden waren, ihn mit Kollegen und einem Polizisten an einem Treffpunkt erwartete. Yoo konnte aus dem Polizeigewahrsam kurzzeitig fliehen, wurde aber nach rund zwölf Stunden wieder gefasst. Er gestand mehr als 20 Morde und behauptete, Teile seiner Opfer gegessen zu haben – Beweise dafür gab es nicht.
Am 13. Dezember 2004 verurteilte ihn ein Gericht in Seoul wegen 20 Morden zum Tode, im Juni 2005 wurde das Urteil rechtskräftig. Da Südkorea seit 1997 niemanden mehr hingerichtet hat, sitzt Yoo bis heute in der Todeszelle. Der Fall inspirierte den Film „The Chaser“ (2008) und die Netflix-Dokuserie „The Raincoat Killer“ (2021).