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Akte 0064Cold Case

Der Mord im Liederbachtunnel – Der Fall Tristan Brübach

Liederbachtunnel am Bahnhof Höchst, Frankfurt am Main · Deutschland · 1998

Ungelöst#Deutschland#Frankfurt#Hessen#Kindstötung#Cold Case#Ungelöst#Phantombild

Fallbeschreibung

Am Nachmittag des 26. März 1998 wird der 13-jährige Tristan Brübach in Frankfurt-Höchst ermordet. Der Schüler hatte den Unterricht gegen 13:30 Uhr wegen Rückenschmerzen verlassen und wurde zuletzt gegen 15:20 Uhr in der Bruno-Asch-Anlage vor dem Bahnhof Höchst gesehen. Gegen 16 Uhr fanden Kinder seinen Leichnam im Liederbachtunnel, einer gut 100 Meter langen Unterführung, in der der Liederbach westlich des Bahnhofs unter den Gleisen hindurchfließt und die viele Schüler als Abkürzung nutzten.

Tristan, geboren am 3. Oktober 1984, lebte nach dem Tod seiner Mutter 1995 allein mit seinem Vater. Er war bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen und gewürgt worden; tödlich war ein Schnitt durch den Hals. Anschließend entnahm der Täter dem Jungen Körperteile und nahm sie mit – sie wurden nie gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass Tat und Verstümmelung nur etwa eine Viertelstunde dauerten.

Drei Jugendliche hatten den Angriff aus der Distanz beobachtet, ohne ihn zu begreifen. Aus ihren und weiteren Zeugenaussagen – darunter die eines zwölfjährigen Mädchens, das kurz darauf einen Mann mit Mütze und Zopf aus den Büschen am Tunnel kommen sah – entstand das Phantombild: ein bleicher, ungepflegter Mann zwischen 20 und 30 Jahren mit zurückgebundenem Haar und einer Lippenspalte oder Narbe an der Oberlippe. Wichtigste Sachspur ist das Fragment eines blutigen Fingerabdrucks in einem von Tristans Schulbüchern. Im März 1999 tauchte sein Rucksack in einem Waldstück bei Niedernhausen auf, rund 25 Kilometer vom Tatort entfernt, darin ein tschechischsprachiger Straßenatlas, der vermutlich nicht ihm gehörte. Ab 2002 gaben Tausende Männer aus Höchst und Unterliederbach sowie Pendler freiwillig ihre Fingerabdrücke ab – ohne Treffer.

Mehrere Spuren zerschlugen sich: Ein Anrufer, der sich im April 1998 als Täter ausgab, wurde nie ermittelt. Der 2014 verstorbene mutmaßliche Serienmörder Manfred Seel wurde 2016 überprüft und 2017 per Fingerabdruck ausgeschlossen. 2020 geriet kurzzeitig Christian B., Hauptverdächtiger im Fall Madeleine McCann, wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Phantombild in den Blick; auch dieser Verdacht bestätigte sich nicht.

Der Fall zählt zu den bekanntesten ungeklärten Kindermorden Deutschlands. Staatsanwaltschaft und ein privater Spender haben zusammen 20.000 Euro Belohnung ausgesetzt. Die Mordkommission des Polizeipräsidiums Frankfurt geht neuen Hinweisen weiterhin nach – mehr als 23.000 sind bislang eingegangen; das Phantombild steht auch in der Fahndungsliste des Bundeskriminalamts. Der Tunnel ist heute an beiden Enden vergittert.

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Beweismittel · Quellen