Spurlos in Byron Bay – Der Fall Theo Hayez
Jahr
2019
Ort
Byron Bay, New South Wales
Land
Australien
Status
Ungeklärt
Opfer
Théo Hayez
Fallbeschreibung
Théo Hayez wird am 29. September 2000 in Overijse bei Brüssel, Belgien, geboren. Er ist neugierig, naturverbunden, abenteuerlustig — der Typ Mensch, der nach der Schule nicht direkt studiert, sondern erst die Welt sehen möchte. Im November 2018, mit 18 Jahren, landet er mit einem Working-Holiday-Visum in Melbourne und reist monatelang quer durch Australien: Sydney, Darwin, die Küstenstrände des Ostens. Im Mai 2019, nach fast sieben Monaten auf Achse, kommt er nach Byron Bay — einem Surferparadies im Nordosten von New South Wales, bekannt für seine lässige Atmosphäre, seine Strände und sein lebhaftes Nachtleben. Er checkt ins WakeUp! Hostel ein. Eine Woche später soll er zurück nach Belgien fliegen. Er kommt nie an.
Am Abend des 31. Mai 2019 geht Théo mit Mitbewohnern aus dem Hostel in die Stadt. Sie trinken, tanzen, landen in der beliebten Backpacker-Bar Cheeky Monkey's. Gegen 23 Uhr bittet das Türpersonal Théo zu gehen — er wirke angetrunken. Seine Freunde bleiben. Théo verlässt die Bar allein. Eine CCTV-Kamera erfasst ihn dabei um 23:07 Uhr — mit dem Handy in der Hand, vermutlich auf der Suche nach dem Weg zurück. Es ist die letzte bekannte Aufnahme von ihm.
Was dann folgt, weiß man nur aus den Daten seines Handys. Théo bewegt sich nicht Richtung Hostel. Stattdessen führt seine Route nach Norden — weg vom Stadtzentrum, in Richtung Cape Byron, dem östlichsten Punkt des australischen Festlandes, wo ein Leuchtturm auf einem Kliff über dem Meer thront. Um 23:19 Uhr hält er inne in der Nähe von Cricketnetzen auf der Tennyson Street. Um 23:54 Uhr befindet sich sein Telefon laut GPS-Daten, die Théos Familie später gemeinsam mit Google auswertet, in der Nähe von Cozy Corner am Tallow Beach — einem abgelegenen, felsigen Küstenabschnitt unterhalb des Leuchtturms. Um 00:22 Uhr sendet sein Gerät ein letztes Signal. Danach: Stille.
Am 6. Juni ruft seine Familie in Belgien an — sie haben ihn tagelang nicht erreicht. Das Hostel teilt mit, dass Théo nicht ausgecheckt hat. Sein Pass, sein Rucksack, alle persönlichen Gegenstände sind noch im Zimmer. Die Polizei wird alarmiert. Eine massive Such- und Rettungsaktion beginnt: Polizeihunde, Hubschrauber, Wasserrettung, Freiwillige, Community-Gruppen. Im Juli findet ein Freiwilliger im Buschland am Tallow Beach eine graue Puma-Mütze — sie ähnelt der Mütze, die Théo auf den CCTV-Aufnahmen trägt. Sein Körper wird nie gefunden.
Die Ermittlungen unter dem Namen Strike Force Mulgray laufen über Jahre. Die Coroner Teresa O'Sullivan leitet 2022 eine formale Untersuchung. Ihr Urteil im Oktober 2022: Théo ist tot — aber wie er starb, kann sie nicht feststellen. Zwei Theorien stehen nebeneinander: ein tödlicher Unfall beim Klettern in Richtung Leuchtturm, oder eine vorsätzliche Tötung durch eine oder mehrere unbekannte Personen. Suizid schließt die Coroner ausdrücklich aus — es gab keinerlei Anzeichen dafür. Der Fall bleibt offiziell offen. Die australische Regierung lobt 500.000 australische Dollar Belohnung für sachdienliche Hinweise aus — bislang ohne Ergebnis. Théos Patenonkel Jean-Philippe Pector fasst die Lage der Familie in Worte, die alles sagen: „Wir können nicht vollständig trauern, solange wir nicht wissen, was passiert ist."
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Quellen
Öffentliche Quellen und weiterführende Links zum Fall
Zuletzt aktualisiert: 18.07.26