Mord in West Cork – Der Fall Sophie Toscan du Plantier
Toormore bei Schull, West Cork, Irland · Irland · 1996
Fallbeschreibung
Am Morgen des 23. Dezember 1996 findet eine Nachbarin die 39-jährige Französin Sophie Toscan du Plantier tot am Weg zu ihrem Ferienhaus in Toormore bei Schull im Südwesten Irlands. Die Fernsehproduzentin wurde in der Nacht mit einem Stein und einem Betonblock erschlagen. Sie trug Nachtwäsche und Stiefel – offenbar war sie vor ihrem Mörder aus dem Haus geflohen.
Sophie Bouniol, geboren am 28. Juli 1957 in Paris, arbeitete für das französische Fernsehen und war seit 1991 mit dem bekannten Filmproduzenten Daniel Toscan du Plantier verheiratet. Ihr abgelegenes Haus in West Cork nutzte sie als Rückzugsort; kurz vor Weihnachten war sie allein angereist.
Schnell geriet der in der Nähe lebende englische Journalist Ian Bailey ins Visier der Garda. Er wurde zweimal festgenommen, doch die irische Staatsanwaltschaft sah nie genug Beweise für eine Anklage. Bailey bestritt die Tat bis zuletzt und verlor 2003 eine Verleumdungsklage gegen mehrere Zeitungen. Frankreich ermittelte eigenständig: Am 31. Mai 2019 verurteilte ein Pariser Schwurgericht Bailey in Abwesenheit zu 25 Jahren Haft. Irische Gerichte lehnten seine Auslieferung jedoch mehrfach ab, zuletzt im Oktober 2020. Am 21. Januar 2024 starb Bailey im Alter von 66 Jahren in Bantry.
Seit 2022 überprüft das Cold-Case-Team der Garda den Fall neu. Im Mai 2026 wurde bekannt, dass eine unbekannte DNA-Spur an Sophies rechtem Stiefel über das europäische Prüm-Netzwerk international abgeglichen wird – bislang ohne Treffer. Im Sommer 2026 bat ein ehemaliger Jurist der irischen Staatsanwaltschaft Frankreich, das Urteil gegen Bailey aufzuheben; die Familie des Opfers wandte sich dagegen.
Fast 30 Jahre nach der Tat ist der Fall in Irland offiziell ungelöst – ein Mord, der zwei Justizsysteme gegeneinander stellte und zahlreiche Bücher, Podcasts und Dokumentationen hervorbrachte, darunter eine Netflix-Serie.