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Akte 0067Cold Case

Verschwunden am Stiglmaierplatz, gefunden im Altmühltal – Der Fall Sonja Engelbrecht

Kipfenberg (Landkreis Eichstätt) / München, Bayern · Deutschland · 1995

Ungelöst#Deutschland#München#Bayern#Vermisst#Cold Case#DNA-Beweis#Ungelöst

Fallbeschreibung

Sonja Engelbrecht ist 19 Jahre alt, als sie in der Nacht vom 10. auf den 11. April 1995 in München spurlos verschwindet. Die Fachoberschülerin, die ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei absolviert, lebt bei ihren Eltern im Stadtteil Laim. Mehr als 25 Jahre bleibt ihr Schicksal ungewiss – bis ein Knochenfund im Altmühltal aus dem Vermisstenfall ein Tötungsdelikt macht.

Am Abend des 10. April trifft sich Sonja mit einem ehemaligen Schulfreund. Gegen 21:40 Uhr sind die beiden in der Kneipe „Zum Vollmond“ an der Schleißheimer Straße, später geht der Abend in einer Wohnung an der Schellingstraße weiter. Am Stiglmaierplatz trennen sich ihre Wege gegen 2:30 Uhr: Der Freund steigt in die Nachttram, Sonja will aus einer Telefonzelle ihre Schwester anrufen, um sich abholen zu lassen. Bei der Familie klingelt das Telefon nie. Sonja wird nicht mehr lebend gesehen.

Die Eltern melden sie am 12. April als vermisst. Weil Sonja volljährig ist, wird zunächst kein Verbrechen angenommen; nach rund zwei Wochen übernimmt die Münchner Mordkommission. Mehr als 80 Zeugen werden befragt, der Begleiter wird früh als Verdächtiger ausgeschlossen. Die Familie sucht jahrelang mit Flugblättern nach ihr, 2012 wird der Fall bei „Aktenzeichen XY … ungelöst“ vorgestellt.

Die Wende kommt im Sommer 2020: Ein Forstarbeiter entdeckt in einem Waldstück bei Kipfenberg im Landkreis Eichstätt, rund 100 Kilometer nördlich von München, einen Oberschenkelknochen. Im November 2021 bestätigt eine DNA-Typisierung, dass er von Sonja Engelbrecht stammt. Bei einer Nachsuche im März 2022 finden Ermittler rund 200 Meter entfernt in einer Felsspalte weitere Skelettteile – eingewickelt in Müllsäcke und Planen, die mit Klebeband fixiert waren und an denen Reste von Wandfarbe hafteten, dazu Reste einer auffälligen blau-schwarzen Decke aus Acryl-Velours. Kleidung fehlt.

Die Polizei geht davon aus, dass Sonja Engelbrecht Opfer eines Sexualverbrechens wurde. Der Täter dürfte 1995 einen Bezug zur Region Ingolstadt/Eichstätt gehabt und womöglich renoviert oder im Baugewerbe gearbeitet haben. 2023 wurde der Fall erneut bei „Aktenzeichen XY“ vorgestellt, im März 2024 folgte ein freiwilliger DNA-Reihentest mit rund 80 Eingeladenen – ohne entscheidenden Treffer. Am Leichnam wurde mutmaßliche Täter-DNA gesichert. Zum 30. Jahrestag im April 2025 veröffentlichte die Polizei ein neues Fahndungsplakat; ausgelobt sind 10.000 Euro. Ein Tatverdächtiger ist bis heute nicht öffentlich bekannt.

Der Fall Sonja Engelbrecht zählt zu den bekanntesten Cold Cases Bayerns. Er zeigt, wie ein Zufallsfund nach Jahrzehnten neue Ermittlungen auslösen kann – und wie sehr die Aufklärung von Hinweisen aus der Bevölkerung abhängt.

4 Videos zum Fall

Beweismittel · Quellen