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MordAufgeklärt

Lebend verbrannt – Der Fall Shanda Sharer

Jahr

1992

Ort

Madison, Jefferson County, Indiana

Land

USA

Status

Aufgeklärt

Opfer

Shanda Renée Sharer

USAIndianaMordAufgeklärtJugendliche TäterFemizidLGBTQGruppengewaltVerbrennung

Fallbeschreibung

Shanda Renée Sharer wird am 6. Juni 1979 in Louisville, Kentucky, geboren und wächst in bescheidenen Verhältnissen auf. 1991 zieht sie mit ihrer Mutter nach New Albany, Indiana, und beginnt an der Hazelwood Junior High School. Sie ist zwölf Jahre alt, neugierig, warmherzig — und verliebt sich in Amanda Heavrin, 15, ein Mädchen aus ihrer neuen Schule. Es ist eine Beziehung, die Shanda das Leben kostet.

Amanda Heavrin ist die Ex-Freundin von Melinda Loveless, 16, einer Jugendlichen aus New Albany mit einer schweren Kindheit hinter sich: Ihr Vater hatte sie sexuell missbraucht, die Familie gilt als zerrüttet. Melinda ist besessen von Amanda — und hasst Shanda dafür, dass sie Amanda „gestohlen" hat. In den Wochen vor der Tat bedroht Melinda Shanda offen. Shandas Eltern ahnen die Gefahr: Sie melden ihre Tochter in einer katholischen Schule an, um sie aus Melindas Umfeld herauszuhalten. Es reicht nicht.

Am Abend des 10. Januar 1992 klingeln zwei Mädchen an der Tür von Shandas Vater: Hope Rippey und Toni Lawrence, beide 15, Schulfreundinnen von Laurie Tackett, 17. Sie sagen Shanda, Amanda wolle sie treffen — am „Witch's Castle", einem verlassenen Steingebäude außerhalb der Stadt, das als Treffpunkt für Jugendliche gilt. Shanda freut sich. Sie bittet die Mädchen, später wiederzukommen, wenn ihr Vater schläft. Kurz nach Mitternacht steigt sie in Lauries Auto. Was sie nicht weiß: Auf der Rückbank liegt unter einer Decke versteckt Melinda Loveless — mit einem Messer.

Das Auto fährt nicht zu Amanda. Es fährt zum Witch's Castle. Dort wird Shanda aus dem Wagen gezerrt, gefesselt, verhöhnt. Melinda und Laurie zerren sie in den Wald, schlagen sie, versuchen ihr die Kehle durchzuschneiden — das Messer ist zu stumpf. Hope Rippey steigt aus und hält Shanda fest, während Melinda und Laurie sie in die Brust stechen und ihr mit einem Seil die Luft abschnüren, bis sie das Bewusstsein verliert. Die Mädchen glauben, sie sei tot. Sie werfen sie in den Kofferraum.

Sie fahren die Nacht durch — zu Laurie Tacketts Elternhaus, zu einem McDonald's, wo sie frühstücken, während Shanda im Kofferraum liegt. Als sie Geräusche aus dem Kofferraum hören, hält Laurie an. Tackett schlägt mit einem Reifeneisen auf Shanda ein. Das Schreien verstummt. Später hören sie erneut Geräusche. Tackett sticht erneut auf Shanda ein. Dann fahren sie auf einen abgelegenen Feldweg nördlich von Madison. Sie übergießen Shanda mit Benzin aus einer Flasche Windex-Reiniger und zünden sie an. Shanda Sharer ist nach Einschätzung der Gerichtsmediziner in diesem Moment noch am Leben. Am Morgen des 11. Januar 1992 finden zwei Jäger ihre halb verbrannte Leiche.

Toni Lawrences und Hope Rippeys Gewissen lassen ihnen keine Ruhe. Noch am selben Abend gehen sie mit ihren Eltern zur Polizei und legen vollständige Geständnisse ab. Bis zum nächsten Tag sind alle vier Mädchen in Gewahrsam. Alle werden als Erwachsene verurteilt. Melinda Loveless und Laurie Tackett erhalten je 60 Jahre — Loveless kommt 2018 nach 26 Jahren frei, Tackett ebenfalls nach 25 Jahren. Hope Rippey wird zu 35 Jahren verurteilt und nach 14 Jahren entlassen. Toni Lawrence — die als einzige keinen Mord, sondern nur kriminelle Freiheitsberaubung begeht — erhält 20 Jahre und wird nach 9 Jahren freigelassen.

Der Fall Shanda Sharer erschüttert Indiana und die USA nachhaltig. Er wirft bis heute Fragen auf: über die Psychologie von Gruppengewalt unter Jugendlichen, über die Fähigkeit von Menschen, in einer Gruppe Dinge zu tun, die sie allein niemals täten, und darüber, wie aus Eifersucht eines Teenagers ein zwölfstündiges Martyrium werden konnte — das keiner der vier Beteiligten gestoppt hat.

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Quellen

Öffentliche Quellen und weiterführende Links zum Fall

Zuletzt aktualisiert: 18.07.26