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Akte 0070Mord

Entführt von einem Polizisten – Der Fall Sarah Everard

Poynders Road, Clapham, London · Großbritannien · 2021

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Fallbeschreibung

Am Abend des 3. März 2021 macht sich die 33-jährige Marketingfachfrau Sarah Everard von der Wohnung einer Freundin in Clapham zu Fuß auf den Heimweg nach Brixton Hill. Gegen 21:34 Uhr wird sie an der Poynders Road vor dem Wohnblock Poynders Court im Süden Londons von einem Mann angehalten, der ihr seinen Dienstausweis zeigt, ihr Handschellen anlegt und sie in einen Mietwagen setzt. Der Mann ist tatsächlich Polizist: Wayne Couzens, 48, Beamter der Metropolitan Police in der Einheit für den Schutz von Parlament und Diplomaten.

Der Richter hielt es für sehr wahrscheinlich, dass Couzens vorgab, Everard wegen eines Verstoßes gegen die Corona-Ausgangsbeschränkungen festzunehmen. Er fuhr mit ihr nach Kent, vergewaltigte sie und erdrosselte sie, wahrscheinlich mit seinem Dienstgürtel. Anschließend verbrannte er die Leiche und versteckte die Überreste in einem Waldstück bei Ashford, nahe einem Grundstück, das ihm gehörte. Aufnahmen von Überwachungskameras und der Mietwagen führten die Ermittler zu ihm: Am 9. März wurde er in seinem Haus in Deal festgenommen, am 10. März fand die Polizei Everards Überreste im Hoad's Wood.

Couzens bekannte sich der Entführung, der Vergewaltigung und des Mordes schuldig. Am 30. September 2021 verurteilte ihn der Old Bailey zu lebenslanger Haft mit einer sogenannten Whole Life Order – eine Entlassung ist damit praktisch ausgeschlossen. Das Berufungsgericht bestätigte die Strafe 2022. 2023 wurde Couzens zusätzlich wegen Exhibitionismus verurteilt; mehrere solcher Vorfälle waren schon vor der Tat angezeigt, aber nicht konsequent verfolgt worden.

Der Fall löste in Großbritannien eine landesweite Debatte über Gewalt gegen Frauen und über Frauenfeindlichkeit in der Polizei aus. Eine Mahnwache auf Clapham Common am 13. März 2021 löste die Polizei auf, was die Empörung weiter verstärkte. Der im Februar 2024 vorgelegte erste Bericht der unabhängigen Angiolini-Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Couzens nie Polizist hätte werden dürfen, und benannte zahlreiche übersehene Warnzeichen bei Einstellung und Sicherheitsüberprüfung. Ein erster Bericht zu Teil 2 vom Dezember 2025 untersuchte, inwieweit bestehende Maßnahmen sexuell motivierte Straftaten gegen Frauen im öffentlichen Raum verhindern.

Video zum Fall

Beweismittel · Quellen