Tödlicher Familienurlaub – Der Fall Joan, Michelle & Christe Rogers
Jahr
1989
Ort
Tampa Bay, Florida
Land
USA
Status
Aufgeklärt
Opfer
Joan Mae Rogers, Michelle Lee Rogers, Christe Eugenia Rogers
Fallbeschreibung
Joan „Jo" Rogers, 36, lebt mit ihrem Mann Hal und ihren Töchtern Michelle, 17, und Christe, 14, auf einer 300 Hektar großen Milchwirtschaftsfarm in Willshire, Ohio — eine kleine, beschauliche Gemeinde, in der die Familie verwurzelt ist und kaum je verreist. Im Mai 1989 packen Jo und ihre Töchter ihre Koffer für den ersten großen Urlaub, den sie je gemacht haben. Ihr Ziel: Florida. Disney World, Strände, Sonne. Hal bleibt auf der Farm. Er wird seine Frau und seine Töchter nie wiedersehen.
Am 1. Juni 1989 verfahren sich Jo, Michelle und Christe auf der Suche nach ihrem Motel in Tampa. An einer Tankstelle sprechen sie einen freundlich wirkenden Mann an, der ihnen Wegbeschreibungen anbietet. Er heißt Oba Chandler, ist 42 Jahre alt, arbeitet als illegaler Siding-Contractor und ist für sein einschmeichelndes Auftreten bekannt — er hat über die Jahre 13 Kinder mit 12 verschiedenen Frauen. Chandler überredet die drei Frauen, ihn an diesem Abend auf eine Bootsfahrt zum Sonnenuntergang zu begleiten. Michelle und Christe drängen ihre Mutter, es zu tun. Sie willigen ein. Das ist das letzte Mal, dass irgendwer sie lebend sieht.
Am Morgen des 4. Juni 1989 entdeckt die Tampa Bay Police drei Frauenkörper, die in der Bucht treiben. Sie sind vom Hüftgürtel abwärts entkleidet. Ihre Hände und Knöchel sind gefesselt, um ihren Hals ist je ein gelbes Polypropylenseil gebunden — das andere Ende ist an einem 14-Kilogramm-Betonklotz befestigt. Die Leichen sind vier Tage lang unidentifiziert, bis eine Zimmerfrau eines Days Inn die Nachrichten liest und erkennt, dass drei Frauen nicht in ihr Zimmer zurückgekehrt sind. Die Autopsie ergibt: Wasser in den Lungen. Sie waren noch am Leben, als sie ins Wasser geworfen wurden.
Der entscheidende Hinweis liegt im Auto der Familie: eine handgeschriebene Wegbeschreibung, die jemand Joan gegeben haben muss. Die Polizei macht jahrelang keine Fortschritte — bis sie im Juli 1992 auf fünf Werbetafeln rund um Tampa eine vergrößerte Abbildung dieser Handschrift aufhängt, in der Hoffnung, dass jemand sie erkennt. Wenige Wochen später meldet sich Joanne Steffey: Sie erkennt die Handschrift als die ihres ehemaligen Auftragnehmers Oba Chandler. Ermittler verbinden Chandler außerdem mit der Vergewaltigung einer kanadischen Touristin von Mai 1989 — ein frappierend ähnliches Muster: Bootsfahrt, allein, Gewalt. Mehrere Zeuginnen identifizieren ihn. Ein Handabdruck auf der Wegbeschreibung stimmt mit Chandlers überein.
Im September 1994 — fünf Jahre nach den Morden — beginnt der Prozess. Chandler leugnet bis zuletzt. Doch die Beweislast ist erdrückend: die Handschrift, der Abdruck, die Vergewaltigung, Zeugenaussagen. Die Jury verurteilt ihn in allen drei Zählpunkten wegen Mordes ersten Grades. Das Strafmaß: dreifache Todesstrafe. Am 15. November 2011, nach über 16 Jahren im Todestrakt und unzähligen Berufungsverfahren, wird Oba Chandler per Giftspritze hingerichtet. Hal Rogers, der seit 22 Jahren gewartet hat, verzichtet darauf, der Hinrichtung beizuwohnen. „Er stirbt einfach", sagt er. „Das ist es nicht wert."
Dieser Fall ansehen
Ein verlinktes Video zu diesem Fall
Quellen
Öffentliche Quellen und weiterführende Links zum Fall
Zuletzt aktualisiert: 02.09.26