TatortTube
Akte 0073Mord

Der NFL-Star als Mörder – Der Fall Aaron Hernandez und Odin Lloyd

Industriegebiet Corliss Landing, John L. Dietsch Boulevard, North Attleborough, Massachusetts · USA · 2013

Gelöst#USA#Massachusetts#NFL#Waffengewalt#Gerichtsurteil#Netflix#Lebenslang#Aufgeklärt

Fallbeschreibung

In den frühen Morgenstunden des 17. Juni 2013 wird der 27-jährige Odin Lloyd in einem Industriegebiet in North Attleborough, Massachusetts, erschossen. Lloyd, geboren auf St. Croix und aufgewachsen im Bostoner Stadtteil Dorchester, spielte als Linebacker für das Semiprofi-Team Boston Bandits. Er war mit Shaneah Jenkins liiert, der Schwester der Verlobten von Aaron Hernandez – Tight End der New England Patriots, der 2012 einen Vertrag über knapp 40 Millionen US-Dollar unterschrieben hatte.

Überwachungsvideos zeigten, wie Lloyd gegen 2:32 Uhr vor seinem Haus in Dorchester in einen silbernen Nissan Altima stieg, den Hernandez gemietet hatte; darin saßen Hernandez und dessen Bekannte Ernest Wallace und Carlos Ortiz. Bis 3:23 Uhr schrieb Lloyd seiner Schwester Nachrichten. Gegen 3:25 Uhr zeichneten Kameras den Wagen auf dem Weg zu einer Kiesgrube am John Dietsch Boulevard auf, rund eine Meile von Hernandez' Haus entfernt; wenige Minuten später fuhr er wieder davon. Ein jugendlicher Jogger fand Lloyds Leiche gegen 17:30 Uhr im Industriegebiet Corliss Landing; sie wies mehrere Schusswunden auf.

Am 26. Juni 2013 wurde Hernandez festgenommen und wegen Mordes angeklagt; die Patriots entließen ihn noch am selben Tag. Am 15. April 2015 sprach ihn eine Jury in Fall River des Mordes ersten Grades schuldig – in Massachusetts zwingend mit lebenslanger Haft ohne Bewährung verbunden. Ein Motiv ließ sich nie zweifelsfrei feststellen. Wallace wurde im Mai 2016 vom Mordvorwurf freigesprochen und wegen Begünstigung verurteilt, Ortiz bekannte sich am 27. Juni 2016 derselben Tat schuldig; beide erhielten viereinhalb bis sieben Jahre Haft.

Am 14. April 2017 wurde Hernandez in einem zweiten Prozess vom Doppelmord an Daniel de Abreu und Safiro Furtado aus dem Jahr 2012 freigesprochen. Fünf Tage später fand man ihn erhängt in seiner Zelle im Souza-Baranowski Correctional Center. Weil er während des Berufungsverfahrens gestorben war, hob ein Gericht das Urteil zunächst nach dem Grundsatz „abatement ab initio“ auf. Am 13. März 2019 schaffte der Supreme Judicial Court von Massachusetts diese Regel als überholt ab und setzte den Schuldspruch wieder in Kraft; das Urteil gilt seither als weder bestätigt noch aufgehoben. Forschende der Boston University um Ann McKee stellten bei Hernandez posthum eine chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE) im Stadium 3 von 4 fest.

Der Fall prägte die Debatte über Gewalt, Kopfverletzungen und Verantwortung im American Football. Netflix verarbeitete ihn 2020 in der Doku-Serie „Killer Inside: The Mind of Aaron Hernandez“.

Video zum Fall

Beweismittel · Quellen