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Akte 0057Vermisst

Verschwunden auf der Abschlussfahrt – Der Fall Natalee Holloway

Oranjestad, Aruba · Aruba · 2005

Teilweise#Aruba#Karibik#Vermisst#Abschlussfahrt#Geständnis#Ungelöst#USA

Fallbeschreibung

Natalee Holloway, geboren am 21. Oktober 1986, hatte gerade die Mountain Brook High School in Alabama abgeschlossen ein Vollstipendium der University of Alabama in der Tasche, wo sie ein Pre-Med-Studium beginnen wollte. Ende Mai 2005 reiste sie mit 124 Mitschülern und sieben Begleitpersonen zur Abschlussfahrt nach Aruba. In der Nacht zum 30. Mai 2005 verließ die 18-Jährige gegen 1:30 Uhr den Club Carlos’n Charlie’s in Oranjestad – zusammen mit dem 17-jährigen Niederländer Joran van der Sloot und den Brüdern Deepak und Satish Kalpoe. Am Morgen erschien sie nicht zum Rückflug; Koffer und Reisepass lagen gepackt im Hotelzimmer.

Die Ermittlungen auf der Karibikinsel gerieten schnell ins Stocken. Van der Sloot und die Kalpoe-Brüder wurden am 9. Juni 2005 festgenommen; die Brüder kamen am 4. Juli 2005 frei, van der Sloot Anfang September 2005 – alle ohne Anklage. Van der Sloots Angaben wechselten: Mal habe er Natalee am Hotel abgesetzt, mal an einem Strand zurückgelassen. Suchmannschaften, niederländische Marinetaucher, FBI-Leichenspürhunde, abgepumpte Teiche und durchsuchte Mülldeponien brachten nichts. Am 18. Dezember 2007 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren mangels Beweisen ein. 2008 zeigte der niederländische Journalist Peter R. de Vries versteckt gefilmte Aufnahmen, in denen van der Sloot vom Tod Natalees erzählte – ein Gericht hielt die Aussagen für nicht belastbar.

Ausgerechnet am fünften Jahrestag, dem 30. Mai 2010, tötete van der Sloot in Lima die 21-jährige Stephany Flores; dafür wurde er 2012 zu 28 Jahren Haft verurteilt. Parallel klagten US-Behörden ihn an, weil er Natalees Mutter 2010 gegen Geld falsche Angaben zum Fundort verkauft hatte. Am 12. Januar 2012 erklärte ein Gericht in Alabama Natalee Holloway für tot.

Am 8. Juni 2023 wurde van der Sloot in die USA überstellt. Am 18. Oktober 2023 bekannte er sich der Erpressung und des Überweisungsbetrugs schuldig, wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt – und legte in einem Proffer-Schreiben ein Geständnis ab: Er habe Natalee an einem Strand mit einem Betonstein erschlagen, nachdem sie ihn zurückgewiesen hatte, und ihren Körper ins Meer gebracht. Für die Tötung verurteilt wurde er nie – die US-Justiz hat für eine Tat auf Aruba keine Zuständigkeit, und ein Leichnam wurde nie gefunden.

Das Verfahren ist damit nicht zu Ende: Am 16. März 2026 erstattete Beth Holloway bei der Staatsanwaltschaft Amsterdam Anzeige wegen Mordes beziehungsweise Totschlags. Am 2. April 2026 übergab die Staatsanwaltschaft Aruba ihre komplette Akte samt den US-Unterlagen nach Amsterdam – mit dem Hinweis, für Mord reiche die Beweislage bislang nicht, Totschlag sei auf Aruba verjährt, in den Niederlanden dagegen nicht. Eine Entscheidung der Amsterdamer Staatsanwaltschaft steht aus. Der Fall prägte die US-Medien wie kaum ein zweiter und machte den bereits 2004 von Gwen Ifill geprägten Begriff „Missing White Woman Syndrome“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

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Beweismittel · Quellen