Der Hessen-Ripper – Der Fall Manfred Seel
Jahr
1971
Ort
Frankfurt am Main / Schwalbach am Taunus
Land
Deutschland
Status
Teilweise aufgeklärt
Opfer
Gudrun Ebel, Hatice Erülkeroğlu, Gisela Singh, Dominique Monrose, Britta Simone Diallo
Fallbeschreibung
Manfred Adolf Seel wird am 30. Oktober 1946 in Königstein im Taunus geboren und wächst als Einzelkind in Kronberg auf. Er macht eine Ausbildung als Klischeeätzer, holt auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach und studiert kurzzeitig an der Goethe-Universität Frankfurt. Er heiratet, hat eine Tochter, spielt Saxofon in einer lokalen Jazzcombo und arbeitet als Gärtner in Schwalbach am Taunus. Seinen Spitznamen „Alaska" trägt er, weil er selbst im Sommer Pelzkleidung trägt und Alaska sein liebstes Reiseziel ist. Die Nachbarn beschreiben ihn als ruhigen, unauffälligen Mann. Das Hessische Landeskriminalamt nennt ihn einen „völlig unbescholtenen Bürger". Er stirbt am 26. August 2014 an Speiseröhrenkrebs. Wenige Wochen später beginnt die größte Serienmörder-Ermittlung der hessischen Kriminalgeschichte.
Es ist Seels Tochter, die den ersten Stein ins Rollen bringt: Beim Auflösen des väterlichen Haushalts öffnet sie eine gemietete Garage in Schwalbach — und findet dort in einer Plastiktonne die sterblichen Überreste einer Frau. DNA-Analyse ergibt: Es ist Britta Simone Diallo, die 2003 spurlos verschwunden war. Auf Seels Computer entdecken Ermittler eine Sammlung extremer sadistischer Bilder, deren Verletzungsmuster exakt mit den Wunden an Diallos Leiche übereinstimmen. LKA-Chefin Sabine Thurau bezeichnet diese Tat als „die Spitze der Auslebung seiner sexuellen Präferenzen". Dass es eine Einzeltat war, schließen die Ermittler von Beginn an aus.
Hauptermittler Frank Herrmann gründet die Soko Alaska — benannt nach Seels Spitznamen — und lässt sein Team aus DNA-Analytikern, Profilern und Mordspezialisten jahrzehntealte ungeklärte Fälle systematisch neu aufrollen. Das Ergebnis ist erschütternd: Seel wird mit mindestens fünf Morden in Verbindung gebracht, die sich über mehr als drei Jahrzehnte erstrecken. Im Februar 1971 wird Gudrun Ebel, 19, in einer Gartenlaube bei Bad Vilbel entdeckt — verstümmelt, der Unterleib aufgeschnitten, die Gebärmutter entnommen. Wenige Monate später verschwindet ihre Kollegin Hatice Erülkeroğlu, 23. 1991 wird Gisela Singh ermordet, 1993 Dominique Monrose. 1996 taucht in Frankfurt-Sachsenhausen der abgetrennte Kopf der 27-jährigen Bankangestellten Pia Isabel Heym auf. Mehrere Prostituierte aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel verschwinden in den Jahren 1998 und 1999 spurlos — ihre Leichen wurden bis heute nicht gefunden.
Das Muster ist immer ähnlich: Seel wählt vulnerable Frauen, plant seine Taten akribisch, nimmt nach den Morden Körperteile als Trophäen mit — nie dieselben, mal ein rechtes Bein, mal ein linker Arm. Die fehlenden Körperteile werden niemals gefunden. Das mutmaßliche Motiv: sexueller Sadismus. Seel selbst kann nie befragt, nie angeklagt, nie verurteilt werden — er ist tot.
Die Soko Alaska wird nach Jahren aufgelöst. Doch die Akte Manfred Seel ist bis heute nicht geschlossen. Die Mordkommission fahndet weiter nach möglichen Mitwissern, Mittätern und unentdeckten Opfern. Das HLKA schließt nicht aus, dass Seel noch weitere Morde begangen hat. Der Hessen-Ripper, der Gärtner aus Schwalbach, hat seiner Heimatstadt ein Rätsel hinterlassen, das womöglich nie vollständig gelöst werden wird. Die Verbrechen dienten als Vorlage für die Tatort-Folge „Dunkelheit" (2025) sowie für die Doku-Serie „Deutschlands spektakulärste Kriminalfälle".
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Quellen
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Zuletzt aktualisiert: 23.05.26