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Akte 0055Mord

Mord im selbstgebauten U-Boot – Der Fall Kim Wall

Køge Bugt vor Südwest-Amager, Kopenhagen · Dänemark · 2017

Gelöst#Dänemark#Kopenhagen#Femizid#Journalistin#Lebenslang#Netflix#Gerichtsurteil

Fallbeschreibung

Kim Wall war eine schwedische Journalistin, geboren am 23. März 1987 in Trelleborg. Sie hatte in Lund, an der London School of Economics und an der Columbia University studiert, aus Nordkorea, Haiti, Sri Lanka und Uganda berichtet und für Guardian, New York Times, Vice und Harper’s geschrieben. Am 10. August 2017 – sechs Tage vor ihrem geplanten Umzug nach Peking – ging sie in Kopenhagen an Bord des privat gebauten Mini-U-Boots „UC3 Nautilus“, um dessen Konstrukteur Peter Madsen zu interviewen. Das Boot verließ Refshaleøen gegen 19 Uhr. Sie kehrte nicht zurück; ihr Partner meldete sie in der Nacht zum 11. August als vermisst.

Am Morgen des 11. August wurde die Nautilus in der Køge Bugt gesichtet und sank kurz darauf – nach Madsens eigener Aussage bei einer Haftprüfung am 4. September 2017 hatte er das Boot selbst versenkt. Madsen änderte seine Darstellung mehrfach: erst habe er Wall an Land gebracht, dann sei sie durch einen herabfallenden Lukendeckel gestorben, später durch Abgase im Boot. Am 21. August 2017 fand ein Radfahrer an der südwestlichen Küste von Amager einen Torso; DNA bestätigte zwei Tage später die Identität. Bis zum 29. November 2017 wurden weitere Körperteile, Kleidung, ein Messer und eine Säge aus der Køge Bugt geborgen. Die Rechtsmedizin fand keine Abgasspuren im Gewebe – was klar gegen Madsens letzte Version sprach – und dokumentierte, dass der Torso mit Metall beschwert war; eine eindeutige Todesursache ließ sich nicht mehr feststellen.

Der Prozess vor dem Stadtgericht Kopenhagen lief vom 8. März bis zum 25. April 2018. Madsen wurde wegen Mordes, sexueller Übergriffe und Störung der Totenruhe schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt; das Østre Landsret bestätigte das Urteil am 26. September 2018. Ein Mordgeständnis legte Madsen erstmals am 9. September 2020 in einer dänischen Dokumentation ab. Am 20. Oktober 2020 floh er kurzzeitig aus dem Gefängnis Herstedvester, bedrohte dabei Gefängnispersonal mit einer Pistolenattrappe und einem vorgetäuschten Sprengstoffgürtel und wurde 500 Meter vom Gelände gefasst – dafür kamen am 9. Februar 2021 weitere 21 Monate hinzu. Sein Fall führte in Dänemark zu einem eigenen Gesetz, das lebenslang Verurteilten neue Beziehungen zu erst nach der Tat kennengelernten Personen untersagt; Madsens Klage dagegen wies ein Gericht Ende November 2023 weitgehend ab.

Der Fall gilt als einer der aufsehenerregendsten Kriminalfälle Skandinaviens und als Mahnmal für die Risiken freier Journalistinnen bei Recherchen mit Quellen. Zum Andenken an Kim Wall gründeten Familie und Kolleginnen den Kim Wall Memorial Fund, der von der International Women’s Media Foundation verwaltet wird. Neben dem Netflix-Film „Into the Deep“ behandeln die dänische Serie „Efterforskningen“ (2020) und die HBO-Doku „Undercurrent“ (2022) den Fall.

3 Videos zum Fall

Beweismittel · Quellen