Der Spaten im Wald – Der Fall Jutta Hoffmann
Lindenfels, Kreis Bergstraße (Odenwald), Hessen · Deutschland · 1986
Fallbeschreibung
Am 29. Juni 1986 ist die 15-jährige Jutta Hoffmann auf dem Heimweg vom Waldschwimmbad in Lindenfels im südhessischen Odenwald. Sie kommt nie zu Hause an. Fast vier Jahrzehnte lang bleibt ihr Tod eines der bekanntesten ungelösten Verbrechen Südhessens.
Nach den späteren Feststellungen des Gerichts zerrte der Täter die Jugendliche rund 80 Meter in den Wald nahe dem Freibad, bedrohte sie mit einem Messer, legte ihr ihren Gürtel um den Hals, vergewaltigte sie und tötete sie mit Messerstichen. Anschließend vergrub er den Leichnam in einer Grube und bedeckte sie mit Erde und Ästen. Erst am 10. Februar 1988, mehr als eineinhalb Jahre später, fand ein Spaziergänger die skelettierten Überreste. Am Fundort stellten die Ermittler einen Spaten sicher, der zum Vergraben benutzt worden war.
Der Fall wurde bereits am 10. Juli 1987 in „Aktenzeichen XY … ungelöst" vorgestellt, ohne dass ein Täter ermittelt werden konnte. Jahrzehnte später untersuchten Cold-Case-Ermittler die Asservate mit modernen Methoden: DNA-Spuren am Spaten führten rund 35 Jahre nach der Tat zu Peter F., einem mehrfach verurteilten Sexualstraftäter, der zur Tatzeit 24 Jahre alt war und seit 2012 im Maßregelvollzug in Schleswig-Holstein untergebracht ist. Über 18 Monate sammelte ein verdeckter Ermittler, der sich als Tierheim-Mitarbeiter ausgab, belastende Äußerungen. Gezielt wurde der Fall am 22. März 2023 erneut bei „XY" gezeigt – F. reagierte beim gemeinsamen Anschauen sichtlich nervös. Acht Tage später, am 30. März 2023, wurde er festgenommen.
Das Landgericht Darmstadt verurteilte Peter F. am 22. Dezember 2023 wegen Mordes zu lebenslanger Haft; die übrigen Delikte waren verjährt, Mord verjährt in Deutschland nicht. Der Angeklagte schwieg im Prozess. Am 16. Oktober 2024 verwarf der Bundesgerichtshof seine Revision, das Urteil ist rechtskräftig.
Der Fall Jutta Hoffmann gilt als Musterbeispiel dafür, wie moderne DNA-Analytik, verdeckte Ermittlungen und die Öffentlichkeitsfahndung zusammenwirken können, um selbst Jahrzehnte alte Verbrechen aufzuklären.