Der Fall Julie Jensen
Jahr
1998
Ort
Pleasant Prairie, Wisconsin
Land
USA
Status
Aufgeklärt
Opfer
Julie Carol Jensen
Fallbeschreibung
Julie Carol Jensen, 40 Jahre alt und Mutter zweier kleiner Söhne, lebte mit ihrem Ehemann Mark Jensen in Pleasant Prairie, Wisconsin – einer ruhigen Vorortgemeinde südlich von Milwaukee. Am 3. Dezember 1998 rief Mark Jensen den Notruf und meldete, er habe seine Frau reglos in ihrem Bett vorgefunden. Julie war tot. Äußere Verletzungen gab es keine.
Die ersten Ermittler gingen zunächst von einem natürlichen Tod aus. Mark hatte erklärt, Julie sei seit Tagen krank gewesen. Doch ein Detail fiel auf: ihre Körperhaltung im Bett wirkte seltsam unnatürlich, und Mark hatte trotz offensichtlicher Atemschwierigkeiten seiner Frau an jenem Tag keinen Arzt gerufen.
Erst eine spätere toxikologische Untersuchung brachte das Entscheidende ans Licht: Im Blut, Magen und Urin von Julie Jensen fand sich Ethylenglykol – der Hauptwirkstoff von Frostschutzmittel. Die Vergiftung hatte sich über mehrere Tage hingezogen. Hinzu kam ein erschreckendes Beweismittel: Die Internetchronik des Familiencomputers zeigte Suchanfragen nach den Wirkungen von Ethylenglykolvergiftungen – zu einem Zeitpunkt, zu dem Julie bereits zu schwach war, den Computer selbst zu benutzen.
Doch das erschütterndste Dokument in diesem Fall hatte Julie selbst hinterlassen. Rund zehn Tage vor ihrem Tod hatte sie einen Brief verfasst, ihn in einen Umschlag gesteckt und ihrer Nachbarin übergeben – mit der Bitte, ihn im Todesfall der Polizei zu übergeben. Darin benannte sie ihren Mann Mark als ersten Verdächtigen, erklärte ausdrücklich, sie würde niemals Suizid begehen, und berichtete von einem mysteriösen Notizbuch ihres Mannes mit Einträgen wie „eigener Drogenbedarf", „Hände einbinden" und „Spritze". Dieser Brief sollte zum Herzstück eines jahrzehntelangen Rechtsstreits werden.
2008 wurde Mark Jensen erstmals zu lebenslanger Haft verurteilt – maßgeblich auf Grundlage des Briefes. Ein Bundesgericht hob das Urteil 2013 jedoch auf, weil der Brief Jensens Verfassungsrecht auf Konfrontation mit Belastungszeugen verletze. In einem zweiten Prozess im Januar 2023 – nun ohne den Brief – befanden Geschworene Mark Jensen nach nur einem Tag der Beratung erneut für schuldig. Er wurde zu lebenslanger Haft ohne Bewährungsmöglichkeit verurteilt.
Der Fall Julie Jensen ist ein erschütterndes Beispiel für das Phänomen des Femizids im häuslichen Umfeld – und für die Kraft einer Frau, die, obwohl sie ahnte, was ihr bevorstand, alles in ihrer Macht Stehende tat, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.
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Quellen
Öffentliche Quellen und weiterführende Links zum Fall
Zuletzt aktualisiert: 19.05.26