Tod im Livestream – Der Fall Jean Pormanove
Contes bei Nizza, Alpes-Maritimes · Frankreich · 2025
Einer der meistgesehenen französischen Streamer auf Twitch und Kick, bekannt durch extreme Livestreams mit Hunderttausenden Followern. Gestorben im Alter von 46 Jahren.
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In der Nacht zum 18. August 2025 stirbt der 46-jährige französische Streamer Raphaël Graven, im Netz bekannt als „Jean Pormanove“ oder „JP“, in Contes nördlich von Nizza – vor laufender Kamera. Er liegt schlafend auf einer Matratze, als ein Zuschauer auf seinen Zustand aufmerksam macht. Ein Mitstreamer prüft seine Atmung, dann bricht die Übertragung ab. Zu diesem Zeitpunkt lief der Livestream auf der Plattform Kick seit mehr als 280 Stunden.
Graven, geboren am 26. Januar 1979 in Woippy, war einer der reichweitenstärksten französischen Streamer. Auf Twitch hatte er rund 669.000 Follower, 2023 wechselte er zu Kick, wo er im August 2024 zu den meistgesehenen Streamern weltweit gehörte. Bekannt wurde sein Kanal jedoch durch ein verstörendes Format: Zwei jüngere Mitstreamer, Owen „Naruto“ Cenazandotti und Safine Hamadi, schlugen, beschossen mit Paintball-Kugeln, würgten und erniedrigten ihn vor Publikum – angefeuert von Zuschauern, die dafür spendeten.
Nach Recherchen des Portals Mediapart ermittelte die Staatsanwaltschaft Nizza bereits seit Januar 2025 wegen vorsätzlicher Gewalt gegen schutzbedürftige Personen und der Verbreitung von Gewaltbildern. Graven selbst bestritt damals, Opfer zu sein, und sprach von inszenierten Szenen, mit denen er rund 6.000 Euro im Monat verdiene. Kurz vor seinem Tod soll er seiner Mutter jedoch geschrieben haben, er habe genug und wolle weg.
Die Obduktion ergab am 22. August 2025 keine traumatischen Verletzungen, die den Tod erklären könnten; die Staatsanwaltschaft geht von einer medizinischen oder toxikologischen Ursache aus. Graven war herzkrank und wegen einer Schilddrüsenerkrankung in Behandlung. Die französische Regierung schaltete die Aufsichtsbehörden ein, die Pariser Staatsanwaltschaft prüft, ob Kick gegen den Digital Services Act verstoßen hat. Am 5. August 2026 verurteilte das Strafgericht Nizza Cenazandotti zu zwei Jahren und Hamadi zu 18 Monaten Haft auf Bewährung, dazu Geldstrafen und ein sechsmonatiges Verbot, in sozialen Netzwerken zu posten.
Der Fall gilt als Wendepunkt in der Debatte um Gewalt-Content und die Verantwortung von Streaming-Plattformen.