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SerienmörderAufgeklärt

Der Häfenpoet-Mörder – Der Fall Jack Unterweger

Jahr

1974

Ort

Ewersbach, Hessen (erster Mord) / Wien, Österreich (Serie 1990–1991)

Land

Deutschland / Österreich / USA

Status

Aufgeklärt

Opfer

Margret Schäfer, mindestens 8 weitere Frauen (Wien, Graz, Prag, Los Angeles)

ÖsterreichDeutschlandSerienmörderGerichtsurteilHistorical-CaseAufgeklärt

Fallbeschreibung

Am 12. Dezember 1974 begegnet der 24-jährige Österreicher Johann „Jack" Unterweger gemeinsam mit einer Bekannten der 18-jährigen Margret Schäfer im hessischen Ewersbach, die gerade von einer Weihnachtsfeier nach Hause geht. Die beiden fesseln die junge Frau in ihrer Wohnung, rauben sie aus und verschleppen sie in ein nahes Waldstück. Dort schlägt Unterweger nach eigenen Angaben mehrfach mit einer Stahlrute auf sie ein und erdrosselt sie schließlich mit dem Draht ihres Büstenhalters – ein Vorgehen, das Jahre später zu seinem Erkennungsmerkmal werden sollte. 1976 wird er dafür vom Landesgericht Salzburg zu lebenslanger Haft verurteilt und in der Justizanstalt Stein inhaftiert.

Im Gefängnis beginnt Unterweger zu schreiben – Gedichte, autobiografische Romane, Erzählungen. Seine Texte finden Anklang bei Intellektuellen und Kulturschaffenden, die sich für seine vorzeitige Entlassung einsetzen. 1990 wird er nach 15 Jahren Haft als vermeintliches Musterbeispiel gelungener Resozialisierung freigelassen und avanciert rasch zum gefeierten „Häfenpoeten" der Wiener Society – er tritt in Talkshows auf, schreibt Reportagen, wird zum Society-Liebling.

Doch schon kurz nach seiner Entlassung häufen sich in Österreich, Tschechien und den USA Morde an Prostituierten mit demselben charakteristischen Würgeknoten. Zwischen September 1990 und Juli 1991 werden Frauen in Prag, Bregenz, im Raum Graz, im Raum Wien und in Los Angeles ermordet aufgefunden – insgesamt wird Unterweger später elf Morde zur Last gelegt. Ein pensionierter Polizist erkennt als Erster das Muster und die räumliche Nähe Unterwegers zu den Tatorten. Nach zweijährigen Ermittlungen erlässt das Landesgericht Graz 1992 Haftbefehl; Unterweger flieht mit seiner damaligen Freundin in die USA, wird aber Ende Februar 1992 in Miami gefasst und nach Österreich überstellt.

Der Prozess beginnt am 20. April 1994 in Graz und gilt als der erste Fall in Österreich, in dem DNA-Analysen entscheidend zur Beweisführung beitragen – ein Haar des Prager Opfers in seinem Auto sowie eine Schalfaser überführen ihn. Am 29. Juni 1994 wird Unterweger in neun von elf Fällen schuldig gesprochen. Nur wenige Stunden nach der Urteilsverkündung erhängt er sich in seiner Zelle in der Justizanstalt Graz-Karlau mit der Kordel seiner Jogginghose – geknüpft im selben charakteristischen Knoten wie bei seinen Opfern. Da er sich das Leben nahm, wurde das Urteil formal nie rechtskräftig.

Der Fall Unterweger gilt bis heute als einer der ungewöhnlichsten und meistdiskutierten Kriminalfälle des deutschsprachigen Raums – als Fallbeispiel für die Grenzen der Resozialisierung, den Kult um charismatische Straftäter und den Erfolg früher forensischer DNA-Analytik in Österreich.

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Quellen

Öffentliche Quellen und weiterführende Links zum Fall

Zuletzt aktualisiert: 05.09.26