Der Skarakannibale – Der Fall Helle Christensen
Jahr
2010
Ort
Skara, Västra Götaland
Land
Schweden
Status
Aufgeklärt
Opfer
Helle Christensen
Fallbeschreibung
Helle Christensen ist 40 Jahre alt, Mutter von fünf Kindern und lebt in der kleinen schwedischen Stadt Skara, als sie am 12. November 2010 ermordet wird. Ihr Freund Isakin Drabbad – bürgerlicher Name Jimmy Daniel Isaksson, geboren 1978 in Köping – hat sie 2009 in einer psychiatrischen Klinik in Borås kennengelernt, wo beide als Patienten behandelt wurden. Im Herbst 2010 ziehen die beiden zusammen in eine Dreizimmerwohnung in der Valhallagatan 13 D in Skara. Beide haben turbulente Vergangenheiten: Drabbad ist mehrfach vorbestraft wegen Drogendelikten und Diebstahl, Helle hat wenig sozialen Rückhalt, alle ihre Kinder leben bei den Vätern.
Am Nachmittag des 12. November kaufen die beiden gemeinsam Alkohol und Lebensmittel, gehen nach Hause. Was danach geschieht, wird zum schockierendsten Kriminalfall der schwedischen Nachkriegsgeschichte. Gegen 19 Uhr ruft Drabbad selbst den Notruf an und erklärt dem Disponenten ruhig, er habe seiner Freundin den Kopf abgehackt. Als die Polizei die Wohnung betritt, findet sie eine Szene, die alle Beteiligten dauerhaft prägt: Helle Christensen ist tot, Drabbad hat Teile ihres Körpers zerstückelt, mit Gewürzen – darunter selbst angebautem Cannabis – zubereitet und gegessen.
Am 14. November wird Drabbad festgenommen. Ein umfassendes forensisch-psychiatrisches Gutachten stellt eine schwere psychische Störung fest. 2011 wird er wegen Mordes verurteilt – nicht zu einer Gefängnisstrafe, sondern zur forensisch-psychiatrischen Unterbringung im Karsudden-Krankenhaus in Katrineholm. Er muss zudem je 75.000 Schwedische Kronen an Helles Eltern und an jedes ihrer fünf Kinder zahlen.
Während seiner Unterbringung wird Drabbad international bekannt – nicht nur wegen seiner Tat, sondern durch eine Serie von Eskapaden: Er beginnt eine Beziehung mit einer als „Vampirfrau" bekannten Mitmörderin, verlobt sich mit ihr, und sorgt wiederholt für Schlagzeilen. 2020 wird er als ambulanter Patient entlassen und erhält eine eigene Wohnung in Schweden. Seine Tochter Jamie-Lee Arrow, die Helle als ihre Stiefmutter betrachtet hatte, veröffentlichte später ein Buch über ihr Aufwachsen und sprach 2025 in der US-Doku-Serie „Evil Lives Here: The Killer Speaks" über ihre gespaltene Beziehung zu ihrem Vater.
Der Fall Helle Christensen wirft bis heute Fragen auf – über den Umgang des schwedischen Strafjustizsystems mit schwerst psychisch kranken Tätern, über Frühwarnsignale in psychiatrischen Einrichtungen und über die Frage, wie ein Mensch, der zu einer solchen Tat fähig ist, nach zehn Jahren wieder in die Freiheit entlassen wird.
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Quellen
Öffentliche Quellen und weiterführende Links zum Fall
Zuletzt aktualisiert: 20.05.26