Der Frauenmörder vom Kiez – Der Fall Fritz Honka
Jahr
1970
Ort
Hamburg-Ottensen
Land
Deutschland
Status
Aufgeklärt
Opfer
Gertraud Bräuer, Anna Beuschel, Frieda Roblick, Ruth Schult
Fallbeschreibung
Zwischen 1970 und 1975 tötet der Nachtwächter Fritz Honka in seiner Mansardenwohnung in der Zeißstraße 74 in Hamburg-Ottensen mindestens vier Frauen: Gertraud Bräuer (42), Anna Beuschel (54), Frieda Roblick (57) und Ruth Schult (52). Alle vier gehören zum Trinkermilieu rund um die Reeperbahn – obdachlos oder sozial isoliert, oft als Prostituierte durchschlagend. Honka lernt sie in seiner Stammkneipe „Zum Goldenen Handschuh" auf St. Pauli kennen, lockt sie mit Alkohol und dem Versprechen einer Schlafstelle in seine Wohnung.
Sein erstes Opfer ist Gertraud Bräuer im Dezember 1970: Nachdem sie sich ihm verweigert, erwürgt er sie im Vollrausch und zerstückelt die Leiche mit Messer und Handsäge. Es folgen Anna Beuschel (1974), Frieda Roblick (Dezember 1974) und Ruth Schult. Die Leichenteile versteckt Honka über Jahre in Schränken, hinter Verschalungen und auf dem Dachboden seiner engen Wohnung – gegen den Verwesungsgeruch verteilt er Duftsteine und behauptet gegenüber Nachbarn, ausländische Mitbewohner seien schuld am Gestank. Da keines der Opfer einen festen Wohnsitz oder enge soziale Bindungen hat, meldet niemand ihr Verschwinden.
Entdeckt wird der Fall nur durch einen Zufall: Am 17. Juli 1975 bricht in Honkas Wohnhaus ein Feuer aus. Feuerwehrleute stoßen bei der Nachkontrolle auf menschliche Überreste. Honka wird festgenommen und gesteht am 29. Juli 1975 die Morde, widerruft sein Geständnis später jedoch teilweise und gibt an, sich nicht an Details erinnern zu können – nicht einmal die Namen seiner Opfer kann er nennen. Mithilfe einer damals neuartigen forensischen Gesichtsrekonstruktion gelingt es den Ermittlern, alle vier Opfer zu identifizieren.
Am 20. Dezember 1976 verurteilt das Hamburger Landgericht Honka wegen Mordes in einem und Totschlags in drei Fällen zu 15 Jahren Haft sowie zur Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik – das Gericht attestiert ihm aufgrund seines Alkoholismus eine verminderte Schuldfähigkeit. 1993 wird Honka unter dem neuen Namen „Peter Jensen" entlassen und lebt zurückgezogen in einem Altenheim an der Ostsee, bevor er zunehmend verwirrt in die Psychiatrie zurückkehrt. Dort stirbt er am 19. Oktober 1998 im Alter von 63 Jahren an den Folgen von Alkohol- und Nikotinmissbrauch.
Der Fall gilt als einer der prägendsten Serienmordfälle der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte und wurde durch Heinz Strunks Roman „Der goldene Handschuh" (2016) sowie dessen Verfilmung durch Fatih Akin (2019) einem breiten Publikum bekannt. Die titelgebende Kneipe existiert bis heute auf dem Kiez. Über die reine Tat hinaus steht der Fall Honka bis heute exemplarisch für gesellschaftliche Verwahrlosung, Alkoholismus und die Unsichtbarkeit marginalisierter Frauen im Rotlichtmilieu.
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Quellen
Öffentliche Quellen und weiterführende Links zum Fall
Zuletzt aktualisiert: 04.09.26