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SerienmörderAufgeklärt

Der Vampir von Hannover – Der Fall Fritz Haarmann

Jahr

1918

Ort

Hannover, Niedersachsen

Land

Deutschland

Status

Aufgeklärt

Opfer

Friedrich Rothe, Wilhelm Schulze, Hans Sonnenfeld, Ernst Ehrenberg, Heinrich Struch, Paul Bronischewski

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Fallbeschreibung

Friedrich „Fritz" Heinrich Karl Haarmann wird am 25. Oktober 1879 in Hannover geboren — als sechstes von sieben Kindern einer zerrütteten Familie. Der Vater ist autoritär und kalt, die Mutter verwöhnt den kleinen Fritz, der schon früh als auffällig gilt. Er wird als Schwachsinniger eingestuft, aus der Militärschule entlassen, in psychiatrische Behandlung gegeben, dann wieder entlassen. Er stiehlt, betrügt, schlägt seine Opfer, sitzt mehrfach im Gefängnis. Um 1918 macht die hannoversche Polizei aus ihm einen Spitzel — Haarmann liefert Informationen über Kleinkriminelle am Hauptbahnhof, wo er im Milieu der Obdachlosen und Hustler verkehrt. Das schützt ihn. Länger als er verdient.

Hannover 1918: Der Erste Weltkrieg ist verloren, die Weimarer Republik noch nicht gegründet. Die Stadt ist voller Hunger, Armut und Heimatloser. Um den Hauptbahnhof herum drängen sich Jugendliche, die kein Zuhause haben, kein Geld, keine Perspektive. Haarmann kennt sie alle. Er lockt sie mit einem Bett, einer warmen Mahlzeit, manchmal mit dem Versprechen von Arbeit. Die Jungen verschwinden. Ihre Familien erstatten Vermisstenanzeigen — die Polizei lässt sie im Archiv verschwinden, um ihren Spitzel zu schützen. Haarmann tötet, indem er seinen Opfern während des Geschlechtsakts in die Kehle beißt, bis sie verblutet oder erstickt sind. Deshalb der Spitzname: der Vampir von Hannover. Auch: der Schlächter, der Kannibale, der Werwolf.

Hans Grans, 20 Jahre jünger als Haarmann und sein Geliebter, wird sein Komplize. Er weist Haarmann auf Opfer hin, die schöne Kleidung tragen — die wird nach den Morden weiterverkauft. Haarmanns Mansardenwohnung in der Roten Reihe in der Altstadt hat blutgetränkte Böden. Nachbarn beobachten, wie er Fleisch und Knochen in Eimern aus dem Haus trägt — später kursieren Gerüchte, er habe Menschenfleisch als Hammelfleisch auf dem Markt verkauft. Das konnte nie bewiesen werden, aber die hannoversche Bevölkerung glaubt es, und ein makabres Kinderlied macht die Runde: „Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir. Mit dem kleinen Hackebeilchen macht er Schabefleisch aus dir."

Im Frühjahr 1924 finden spielende Kinder am Ufer der Leine einen Schädel. Dann noch einen. Und noch einen. Insgesamt werden in den folgenden Wochen Hunderte Knochenstücke aus dem Fluss geborgen — Überreste von mindestens 24 jungen Männern. Die Polizei kann nicht länger wegschauen. Am 22. Juni 1924 wird Haarmann verhaftet — zunächst wegen einer anderen Sache, weil ein junger Prostituierter ihn angezeigt hat. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung findet man Kleidungsstücke vermisster Jungen. Haarmann beginnt zu gestehen, benennt Grans als Mittäter. Der Prozess dauert vom 4. bis 19. Dezember 1924. Haarmann wird für schuldig an 24 Morden befunden — er selbst behauptet, er könne sich nicht mehr genau erinnern, gibt aber zu, dass es „dreißig oder mehr" gewesen seien. Am 15. April 1925, früh morgens, im Hof des Gerichtsgefängnisses, wird Fritz Haarmann mit dem Fallbeil enthauptet. Sein Kopf wird eingeäschert und 2014 anonym bestattet. Vier Hirnschnittpräparate lagern bis heute in München.

Hans Grans wird zunächst zum Tode verurteilt, dann begnadigt und 1929 freigelassen. Er stirbt 1975. Der Publizist Theodor Lessing, der den Prozess als Reporter begleitete, kritisiert in seinem Buch „Haarmann: Die Geschichte eines Werwolfs" scharf die hannoversche Polizei — die, so Lessing, jahrelang Vermisstenanzeigen verschwinden ließ, um den eigenen Spitzel nicht zu gefährden. Haarmanns Fall ist damit nicht nur einer der bekanntesten Serienmörder-Fälle Deutschlands — er ist auch ein Lehrstück über institutionelles Versagen.

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Quellen

Öffentliche Quellen und weiterführende Links zum Fall

Zuletzt aktualisiert: 18.07.26