TatortTube
MordtAufgeklärt

Die Delphi-Morde: Der Fall Abby Williams & Libby German

Jahr

2017

Ort

Delphi, Indiana

Land

USA

Status

Aufgeklärt

Opfer

Abigail Joyce Williams, Liberty Rose Lynn German

USAMordKindstötungCCTVDNA-BeweisGerichtsurteilLebenslang

Fallbeschreibung

Abigail „Abby" Williams, 13, und Liberty „Libby" German, 14, sind beste Freundinnen und Achtklässlerinnen in der Kleinstadt Delphi im US-Bundesstaat Indiana. Am 13. Februar 2017, einem schulfreien Nachmittag, brechen sie zu einer Wanderung auf dem Monon High Bridge Trail auf – einer stillgelegten Eisenbahnbrücke über dem Deer Creek, die als Ausflugsziel bekannt ist. Ihre Familien erwarten sie am frühen Abend zurück. Sie kommen nicht zurück.

Als Libby und Abby nicht erscheinen, alarmieren ihre Angehörigen die Polizei. Am nächsten Morgen, dem Valentinstag, werden ihre Leichen in einem bewaldeten Geländeabschnitt nahe der Brücke gefunden. Die Todesursache: Halsverletzungen durch ein scharfes Objekt. Was die Ermittler kurz darauf auf Libbys Handy sicherstellen, verändert den Fall grundlegend und sorgt weltweit für Schlagzeilen: Ein 43-sekündiges Video, aufgenommen per Snapchat kurz vor 14:15 Uhr, zeigt die beiden Mädchen auf der Brücke – und unmittelbar hinter Abby einen Mann, der ihnen langsam folgt. Der Unbekannte wird bald als „Bridge Guy" bekannt. Auf dem Audiomitschnitt des Handys ist seine Stimme zu hören: „Guys, down the hill." Zudem hatte Libby offenbar noch ein Foto des Mannes aufgenommen. Die Polizei veröffentlicht 2017 einen Ausschnitt des Videos und ein Phantombild. Der Täter bleibt trotz tausender Hinweise über fünf Jahre unbekannt.

Der Durchbruch kommt 2022 – ausgelöst durch einen ehrenamtlichen Ermittlungshelfer, der einen alten, nie ernsthaft verfolgten Tip erneut unter die Lupe nimmt. Im Oktober 2022 wird Richard Allen, 50, ein ortsbekannter Apothekenangestellter aus Delphi, verhaftet. Belastend: Allen gibt selbst zu, an jenem Nachmittag auf der Brücke gewesen zu sein. Eine Kugelhülse vom Tatort wird ballistisch seiner Waffe zugeordnet. Überwachungskameras zeigen sein Auto in Tatortnähe. In der Untersuchungshaft gesteht Allen mehrfach – gegenüber seiner Frau, seiner Mutter, dem Gefängnispsychologen und in einem Brief an den Anstaltsleiter.

Im November 2024, mehr als sieben Jahre nach den Morden, findet das Geschworenengericht Allen nach vier Tagen Beratung auf allen vier Zählpunkten schuldig – zweifacher Mord sowie zweifacher Mord in Verbindung mit versuchter Entführung. Am 20. Dezember 2024 wird er zu 130 Jahren Haft verurteilt, dem gesetzlichen Maximum. Allen kündigt Berufung an und beteuert weiterhin seine Unschuld. Der Fall gilt als eines der bemerkenswertesten Beispiele moderner Digitalforensik: Libby German hat mit ihrer Aufnahme maßgeblich dazu beigetragen, dass der Täter – wenn auch erst Jahre später – identifiziert werden konnte.

Dieser Fall ansehen

Ein verlinktes Video zu diesem Fall

Quellen

Öffentliche Quellen und weiterführende Links zum Fall

Zuletzt aktualisiert: 20.05.26