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Akte 0068Mord

Der Freispruch, der Amerika spaltete – Der Fall Casey und Caylee Anthony

Waldstück an der Suburban Drive, Orlando, Florida · USA · 2008

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Fallbeschreibung

Die zweijährige Caylee Marie Anthony, geboren am 9. August 2005, wird im Sommer 2008 in Orlando, Florida, zum Mittelpunkt eines der meistbeachteten Kriminalfälle der USA. Zuletzt gesehen wurde sie am 16. Juni 2008, als ihre Mutter Casey Anthony mit ihr das Haus der Großeltern George und Cindy Anthony am Hopespring Drive verließ.

Erst rund einen Monat später, am 15. Juli 2008, meldete Cindy Anthony ihre Enkelin per Notruf als vermisst – sie habe Caylee seit 31 Tagen nicht gesehen, sagte sie. Casey hatte in der Zwischenzeit niemandem vom Verschwinden erzählt. Gegenüber der Polizei gab sie an, eine Nanny namens Zenaida „Zanny“ Fernandez-Gonzalez habe Caylee entführt, und behauptete, bei den Universal Studios zu arbeiten. Beides erwies sich als unwahr: Die angebliche Wohnung der Nanny stand seit Monaten leer, und bei Universal war Casey seit Jahren nicht mehr beschäftigt.

Am 11. Dezember 2008 entdeckte der Zählerableser Roy Kronk in einem Waldstück an der Suburban Drive, weniger als eine halbe Meile vom Elternhaus entfernt, die skelettierten Überreste des Kindes in einem Müllsack. Am Schädel fand sich Klebeband. Die Gerichtsmedizinerin Jan Garavaglia stufte den Tod als Tötungsdelikt ein, die genaue Todesursache blieb jedoch unbestimmt („homicide by undetermined means“).

Der Prozess gegen Casey Anthony begann im Mai 2011 vor Richter Belvin Perry in Orlando; die Geschworenen stammten wegen der enormen Medienpräsenz aus Pinellas County. Die Anklage warf ihr Mord vor. Verteidiger Jose Baez vertrat die These, Caylee sei im Familienpool ertrunken und der Unfall vertuscht worden; seine Vorwürfe gegen George Anthony, darunter Missbrauchsbehauptungen, blieben unbelegt, George Anthony bestritt sie. Am 5. Juli 2011 sprach die Jury Casey Anthony von Mord, schwerer Kindesmisshandlung und schwerer fahrlässiger Tötung eines Kindes frei. Verurteilt wurde sie nur wegen vier Falschaussagen gegenüber der Polizei, zwei davon hob ein Berufungsgericht 2013 auf. Am 17. Juli 2011 wurde sie aus der Haft entlassen.

Wie und durch wen Caylee starb, ist bis heute nicht geklärt. Der Freispruch löste landesweit Empörung aus und führte zu Gesetzesinitiativen, bekannt als „Caylee's Law“, die Eltern zur zügigen Meldung vermisster Kinder verpflichten sollen. Casey Anthony äußerte sich 2022 in der Peacock-Dokuserie „Casey Anthony: Where the Truth Lies“ und trat 2025 auf TikTok als selbsternannte „legal advocate“ auf, was erneut heftige Kritik auslöste.

4 Videos zum Fall

Beweismittel · Quellen