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Akte 0056Mord

Der inszenierte Überfall – Der Femizid an Caroline Crouch

Glyka Nera, Ostattika bei Athen · Griechenland · 2021

Gelöst#Griechenland#Athen#Femizid#Häusliche Gewalt#Inszenierter Tatort#Lebenslang#Gerichtsurteil

Fallbeschreibung

Caroline Louise Crouch wurde am 12. Juli 2001 geboren, hatte einen britischen Vater und eine philippinische Mutter und wuchs ab ihrem achten Lebensjahr auf der Sporaden-Insel Alonnisos auf. Mit 15 lernte sie den 13 Jahre älteren Hubschrauberpiloten Charalambos „Babis“ Anagnostopoulos kennen; im Juli 2019 heirateten die beiden in Portugal, im Juni 2020 kam Tochter Lydia zur Welt. In der Nacht zum 11. Mai 2021 starb die 19-Jährige im gemeinsamen Haus in Glyka Nera östlich von Athen.

Ihr Ehemann schilderte einen brutalen Überfall: Drei vermummte Männer seien durch ein Kellerfenster eingedrungen, hätten den Familienhund erhängt, ihn selbst gefesselt und Caroline getötet, als sie sich wehrte. Die Polizei fand ihn gefesselt und geknebelt vor, das elf Monate alte Baby lag neben seiner toten Mutter. Der Fall löste in Griechenland Entsetzen aus; die Behörden setzten eine Belohnung von 300.000 Euro aus.

Die Digitalspuren erzählten jedoch eine andere Geschichte. Die Speicherkarte der Überwachungskamera war bereits um 1:20 Uhr entnommen worden, obwohl Anagnostopoulos den Einbruch erst für 4:30 Uhr angab. Carolines Fitnesstracker zeichnete den Herzstillstand um 4:11 Uhr auf, während sein Handy in der Zeit, in der er gefesselt gewesen sein wollte, aktiv war. Einbruchsspuren, Fingerabdrücke oder fremde DNA fand die Spurensicherung nicht.

Am 17. Juni 2021 – er war gerade bei der Gedächtnisfeier auf Alonnisos – wurde Anagnostopoulos nach Athen gebracht und mit den Daten konfrontiert. Er gestand noch am selben Tag, seine Frau nach einem Streit mit einem Kissen erstickt und den Überfall inszeniert zu haben. Am 16. Mai 2022 sprach ihn das gemischte Geschworenengericht Athen einstimmig des Mordes, der Tötung des Hundes sowie der Falschaussage und Irreführung der Behörden schuldig: lebenslange Haft, zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst mit 11 Jahren und 6 Monaten, dazu 21.000 Euro Geldstrafe. Das gemischte Berufungsgeschworenengericht bestätigte das Urteil am 29. September 2023 einstimmig; ein Revisionsverfahren vor dem Areopag kündigte sein Anwalt im Oktober 2025 an, Anagnostopoulos widersprach dem öffentlich – eine Entscheidung gibt es bis heute nicht.

Das Sorgerecht für Lydia wurde dem Vater entzogen und Carolines Eltern zugesprochen; das Kind wächst heute bei der Großmutter auf den Philippinen auf. 2023 ließ die Familie Carolines Grab verlegen, weil es zum Wallfahrtsort für Post an den Mörder zu werden drohte. Der Fall gilt in Griechenland als Wendepunkt in der öffentlichen Debatte über Femizide und häusliche Gewalt.

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Beweismittel · Quellen