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SonstigesUngeklärt

25 Jahre im verdunkelten Zimmer – Der Fall Blanche Monnier

Jahr

1901

Ort

Poitiers, Rue de la Visitation (heute Rue Arthur Ranc)

Land

Frankreich

Status

Ungeklärt

Opfer

Blanche Monnier

FrankreichHistorischer FallFreiheitsberaubungFamilienverbrechenFreispruchProzess

Fallbeschreibung

Am 23. Mai 1901 dringt die Polizei in ein bürgerliches Stadthaus in der Rue de la Visitation in Poitiers ein. Anlass ist ein anonymer Brief an den Generalstaatsanwalt, der behauptet, im Haus der angesehenen Familie Monnier werde seit Jahrzehnten eine Frau gefangen gehalten. In einem verdunkelten, von innen verriegelten Zimmer im Obergeschoss finden die Beamten die 52-jährige Blanche Monnier – nackt, auf einer verrotteten Matratze, in einer Schicht aus Exkrementen, Essensresten und Ungeziefer. Sie wiegt kaum 25 Kilogramm und ist seit rund 25 Jahren nicht mehr im Freien gewesen.

Blanche Monnier, geboren am 1. März 1849, galt als lebhafte junge Frau aus gutem Hause. 1876 wollte sie einen älteren Anwalt heiraten, den ihre Mutter Louise Monnier als mittellos ablehnte. Kurz darauf verschwindet Blanche aus dem gesellschaftlichen Leben der Stadt; die Familie erklärt sie für verschollen oder für geisteskrank. Ihr Bruder Marcel, promovierter Jurist und früherer Unterpräfekt, lebt über zwei Jahrzehnte im selben Haus.

Louise Monnier wird festgenommen und stirbt rund 15 Tage später in Gewahrsam. Marcel Monnier wird am 11. Oktober 1901 zu 15 Monaten Haft verurteilt, doch die Berufungsinstanz spricht ihn am 20. November 1901 frei: Das damalige französische Strafrecht kannte keine strafbare unterlassene Hilfeleistung – wer nicht aktiv handelte, machte sich nicht strafbar. Strafrechtlich bleibt der Fall damit ohne Verurteilung.

Blanche Monnier kommt zunächst in das Hôtel-Dieu von Poitiers und später in eine Anstalt in Blois, wo sie am 13. Oktober 1913 stirbt. Bis heute ist umstritten, ob sie tatsächlich eingesperrt wurde oder ob eine schwere psychische Erkrankung sie selbst in dem Zimmer festhielt und die Familie dies aus Scham deckte.

„La Séquestrée de Poitiers" gilt als einer der ersten Medien-Kriminalfälle des 20. Jahrhunderts; André Gide arbeitete ihn 1930 in seiner Reihe juristischer Chroniken auf.

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Quellen

Öffentliche Quellen und weiterführende Links zum Fall

Zuletzt aktualisiert: 14.09.26