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Akte 0074Sonstiges

Ein Jahrzehnt gefangen in der Seymour Avenue – Die Entführungen von Cleveland

2207 Seymour Avenue, Near West Side, Cleveland, Ohio · USA · 2002

Gelöst#USA#Ohio#Cleveland#Entführung#Gefangenschaft#Lebenslang#Aufgeklärt

Fallbeschreibung

Zwischen 2002 und 2004 entführt der Schulbusfahrer Ariel Castro in Cleveland, Ohio, drei junge Frauen und hält sie rund ein Jahrzehnt in seinem Haus in der Seymour Avenue 2207 an Clevelands Near West Side gefangen. Michelle Knight verschwand im August 2002 mit 21 Jahren, Amanda Berry am 21. April 2003, einen Tag vor ihrem 17. Geburtstag, auf dem Heimweg von ihrem Job in einer Burger-King-Filiale, und Gina DeJesus am 2. April 2004 mit 14 Jahren auf dem Heimweg von der Schule. Castro lockte die Frauen jeweils mit dem Angebot, sie mitzunehmen, in sein Auto; Knight köderte er nach ihrer eigenen Aussage zusätzlich mit dem Versprechen eines Welpen für ihren Sohn.

Im Haus wurden die Frauen eingesperrt, zeitweise angekettet, vergewaltigt und misshandelt. Am 25. Dezember 2006 brachte Amanda Berry eine Tochter zur Welt, deren Vater Castro war. Während Knights Verschwinden kaum öffentliche Beachtung fand, suchten die Familien von Berry und DeJesus jahrelang nach ihnen; Berrys Mutter starb 2006, ohne ihre Tochter wiederzusehen.

Am 6. Mai 2013 nutzte Berry einen Moment, in dem Castro nicht zu Hause war. Sie schrie an der verschlossenen Haustür um Hilfe; Nachbarn – darunter Angel Cordero und Charles Ramsey, deren genaue Rolle später unterschiedlich geschildert wurde – halfen ihr, die untere Füllung der Sturmtür einzutreten. Mit ihrer sechsjährigen Tochter floh sie zu einer Nachbarin und rief von dort den Notruf; die Polizei befreite Knight und DeJesus aus dem Haus. Castro wurde wenige Stunden später festgenommen.

Die Anklage wuchs auf 977 Punkte, darunter Entführung, Vergewaltigung und zwei Punkte wegen schweren Mordes, weil er bei Michelle Knight durch Schläge und Hunger eine Fehlgeburt herbeigeführt haben soll. Um einem möglichen Todesurteil zu entgehen, bekannte sich Castro in 937 Punkten schuldig. Am 1. August 2013 wurde er zu lebenslanger Haft ohne Bewährung plus 1.000 Jahren verurteilt. Sechs Tage später wurde sein Haus abgerissen. Am 3. September 2013 fand man Castro erhängt in seiner Zelle; die Behörden stuften seinen Tod als Suizid ein.

Die drei Frauen haben ihre Geschichte selbst erzählt – Knight in „Finding Me“, Berry und DeJesus gemeinsam in „Hope: A Memoir of Survival in Cleveland“. Der Fall gilt als einer der aufsehenerregendsten Entführungsfälle der USA und warf Fragen auf, wie Gefangenschaft über so viele Jahre mitten in einem Wohnviertel unentdeckt bleiben konnte.

Video zum Fall

Beweismittel · Quellen